Gaslighting

Der Film “Gaslight” (1944) mit Ingrid Bergman erzählt die Geschichte von Bella, die glaubt, ihren Verstand zu verlieren. Sie hört Schritte, wo keine sind, verlegt Dinge und sieht flackernde Gaslampen. Ihr Mann versichert ihr, sie bilde sich das ein. Doch in Wahrheit treibt er ein perfides Spiel: Er durchwühlt den Nachlass einer Frau, die er ermordet hat. Jedes Mal, wenn er auf dem Dachboden Licht macht, flackern die Lampen im Haus. Durch Manipulation will er Bella gefügig machen.

Gaslighting beschreibt eine Form der Manipulation, bei der eine Person systematisch an ihrer Wahrnehmung zweifeln soll (Johnson & Levin, 2019). Es wird oft in toxischen Beziehungen genutzt, um durch bewusste Verdrehung von Tatsachen Macht zu erlangen. Opfer entwickeln Unsicherheit und verlieren das Vertrauen in ihr Urteilsvermögen. Neuere Studien zeigen auf, dass besonders narzisstische Persönlichkeiten zu dieser Taktik greifen (Krott, 2020).

Neben Paarbeziehungen sind häufig auch Familien betroffen. Denn, Voraussetzung für Gaslighting ist ein Vertrauensverhältnis. Man wird ausgerechnet von der Person manipuliert, die einem nahesteht. Die Beziehung ist für Gaslighter wichtig, da es oft darum geht, das Opfer von anderen sozialen Einflüssen abzuschirmen und so in Abhängigkeit zu bringen.

“Spielen” wir nicht mit, wird der Manipulator wütend, schmiedet Vorwürfe, Angriffe und neue Pläne. Denn sein Ziel ist die Macht über Andere, um von seinen eigenen Gefühlen, der Minderwertigkeit und Ohnmacht abzulenken. Projektion ist eine gerne angewandte Möglichkeit Andere (scheinbar) gefügig zu machen. Das stabilisiert das eigene Selbstwertgefühl, führt aber in eine paradoxe Situation: Durch den ständigen Versuch, machtvoll und dominant zu sein, ist am Ende der Manipulator selbst abhängig davon, dass das Opfer bei ihm bleibt (Krott, 2020). Paradox auch, da das narzisstische Handeln oft nicht mal böse gemeint, sondern als die eigene Verletzlichkeit des Manipulators zu erkennen ist. Ein machtvoller, demonstrierender Schrei nach Liebe. Andere emotional zu verletzen, damit das Gegenüber genau so fühlt, wie er selbst.

Wie antworten wir auf vermeintliches Gaslighting?

Durch Achtsamkeit und das Kommunizieren klarer Grenzen.

Achtsamkeit, um manipulative und/oder narzisstische Handlungen zu erkennen. Kommunizieren klarer Grenzen, um Grenzüberschreitungen mit Respekt und Würde offen darzulegen.

Offenheit kann Manipulatoren den Wind aus den Segeln nehmen. Und so den Weg öffnen, um an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten. Offene Gespräche (wenn die Beziehungsmuster tiefer verstrickt sind mit Vorteil durch professionelle Hilfe) können so eine scheinbar aussichtslose Situation Richtung Neubeginn führen.